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Altlichtenwarth

Die Erdställe als unterirdische Welten, faszinierend und rästelhaft - insbesondere am Hutsaulberg

1969 rattert und dröhnt es in der Ortsmitte von Altlichtenwarth. Eine Baggerschaufel gräbt sich unter der Kaiser-Franz-Josef-Straße einen Zugang zum Ortskanal. Die Schaufel schwenkt dabei in ein Loch. Nach ersten Inspektionen wird dieses als Zugang zu einem Erdstall gedeutet. Die Weinviertler Bevölkerung ist mit unterirdischen Welten vertraut.

Sie befinden sich in Ortskernen - so die Annahme bis zum Sommer 1994. Heftige Regenfälle legen in diesem Jahr allerdings einen Erdstall, auf freiem Feld am Hutsaulberg, frei. Rätselhaft, da der Hutsaulberg nie Siedlungsgebiet und auch vom Burgwall 500 Meter entfernt war. Im Dreiländereck mit seiner flachwelligen, wenig Schutz bietenden Landschaft, gab ein Burgwall Sicherheit. In bedrohlichen Zeiten dürften die unterirdischen Erdställe allerdings mehr Schutz bieten. Sie dienen, so der Weinviertler Historiker Richard Edl, als Orte der Zuflucht. Das wird viel mehr noch für spätere Krisenzeiten angenommen, als die Gegend im Dreißigjährigen Krieg sowie durch anrückende Osmanen und Kuruzen bedroht wird.

Auf die Bedrohung zu Beginn des 18. Jahrhunderts dürften die verärgerten Einheimischen mit dem Ausruf „Kruzitürken“ reagiert haben, um dann Zuflucht in den Erdställen zu finden. Dazu finden sich in den Pfarrarchiven von Altlichtenwarth Hinweise. In Österreich gibt es heute noch etwa 500 Erdställe.

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